Linnunradankatu heißt "Milchstraße" auf finnisch. Das ist die Straße in der das Wohnheim in Riihimäki ist, dort wohnen wir für ein halbes Jahr (21.2. - 03.08.2005).

Montag, Juni 27, 2005

Mittsommer, Sommersonnenwende oder auch Juhannus

Endlich war es soweit, endlich lag das vor uns, worauf ich mich schon die ganze Zeit freue und warte, seitdem wir in Finnland sind: Mittsommer.

Ja, eigentlich ist die Sommersonnenwende genau zum Sommeranfang, nämlich am 21.06. Doch die Feierlichkeiten werden immer auf das Wochenende, welches dem 21.06. am nächsten liegt, gelegt.

Übrigens: den Finnen ist ihr Juhannus, so wie Mittsommer in Finnland richtig heißt, über alles heilig. Ich glaube in Deutschland gibt es nicht einen solchen Ausnahmetag wie hier. Denn zu Juhannus haben alle Geschäfte geschlossen und jegliche Art von Verkehrsmitteln, sei es Zug oder Bus, fahren das gesamte Wochenende nicht.

Aber nicht alleine in Finnland wird Mittsommer so groß gefeiert – alle nordischen Länder haben eine besondere Beziehung zu diesem Tag, er ist meist wichtiger als Weihnachten oder Ostern und hauptsächlich geht es dabei um Gesundheitszauber und Reinigungsrituale.

mehr dazu hier
und hier

Man könnte meinen so ein Wochenende lädt zu riesigen Festivals und Partys in die großen Städte des Landes ein. Doch hauptsächlich wird Juhannus in der Familie, im kleinen Kreis unter engen Freunden und Verwandten, auf dem Mökki, direkt am See gefeiert.
Dort wird dann gegrillt, gefischt, sauniert, getrunken und ein Feuer angezündet.

Klar haben sich auch einige große Festivals etabliert, so z. B. in Rauma (Westküste Finnlands) das RMJ vom 23.-26.06., aber eigentlich sind die Städte in dieser Zeit leergefegt und alles zieht aufs Land.

Eva und ich wollten weder auf ein riesiges Festival noch hatte sich jemand erbarmt uns auf sein Mökki einzuladen.
Wir wollten gerne etwas ruhiges, nettes, kleines, mit einem Feuer, am Wasser und mit ein paar netten Leuten…
Und wir haben es gefunden und ich muss sagen, es war ungefähr das, was ich mir von Mitsommer erwartet habe.

Von Lasse haben wir den Tipp bekommen, wir sollen doch in die Nähe von Lahti auf den Campingplatz Messilä gehen.


Campingplatz Messilä


Nach genauer Inspektion der Webseiten und einem Anruf, ob denn noch Platz für uns ist, sind wir also am Freitagmittag losgezogen.
Lasse hat uns dann in Lappila, wo er wohnt, noch sein Zelt an den Zug gebracht, damit wir überhaupt zelten konnten.

Mit dem Aufbau dieses haben wir uns dann auf dem Zeltplatz ganz schön abgequält. Anscheinend stammt das Zelt noch aus Vorkriegszeiten, der komischen Konstruktion, alten Heringe und keiner wasserdichten Überplane zu urteilen.
Naja, irgendwie haben wir es hinbekommen.


Zelt aus Vorkriegszeiten :-)


Nun war erst mal Faulenzen angesagt: vor uns der See, die Volleyballplätze, die Sonne über uns und der aufgestapelte Scheiterhaufen für das Juhannus-Feier...





Volleyballfelder

unser bescheidenes Mittsommermahl



Scheiterhaufen am Wasser


beginnender Sonnenuntergang


Boote nahe des Campingplatzes


traumhafter Sonnenuntergang

Um elf Uhr abends wurde dann das Feuer entzündet. Es ist unglaublich, wie schnell so ein ganzer Haufen lichterloh brennt und wie schön warm es doch ist. Der ganze Campingplatz hatte sich am Feuer versammelt um dem Spektakel beizuwohnen.


das Juhannusfeuer wird entzündet



Feuer



Menschen ums Feuer



Feuer vom Wasser aus



Ja, wir waren auch da



Feuer vor atemberaubender Kulisse


Später ging es auf zum Tanz in die Scheune.


Tanzscheune


Danach saßen wir noch bis nach Sonnenaufgang am Feuer, bis uns die Mücken, die Kälte und die überkommende Müdigkeit ins Zelt trieb.




Sonnenaufgang

Den ganzen Tag über haben wir unheimlich viele nette Leute kennen gelernt:
Angefangen von unserem Zeltnachbarn Timo, der uns beiden am Abend einfach so einen Drink ausgegeben hat. Wahrscheinlich sahen wir da so ganz alleine und verlassen vor unserem Zelt sitzend etwas verloren aus.
Weiter bei Marco, der eigentlich nur ein Bild von Eva und mir vor dem Sonnenuntergang machen sollte und uns dann erzählt: ‚das ist meine Frau, meine Kinder, mein Hund und mein Boot…’
Später in der Tanzscheune haben wir ein Mädel kennen gelernt, die am Montag für ein halbes Jahr nach Deutschland geht, in die Nähe von Freiburg (so ein Zufall aber auch).
Und weil man vor (betrunkenen) Finnen ja eigentlich nie sicher ist, hat uns in der Tanzscheune auch ein paar angesprochen, mit denen wir später die Frage, welche Sprache nun schwieriger ist, Finnisch oder Deutsch, am Feuer auszudiskutieren versuchten.

Wo der Freitag noch von Sonnenschein erfüllt war, war am Samstag nicht mehr viel zu spüren. Regen, Regen, Regen!
Und das den ganzen Tag. Zwischenzeitlich haben wir überlegt, ob wir unser Lager abbrechen sollen, weil es überall ins Zelt reinregnete und wir fast schon davon geschwommen sind.


nach dem Regen



bewölkt


Abends klarte es dann doch wieder auf und wir begaben uns zum Aufwärmen in die Sauna.

Sonntag ist recht schnell erzählt, nach dem Frühstück hieß es Sachen packen und auf einen Bus hoffen, der uns zurück in die Stadt bringt.
Nach über einer Stunde warten und ohne das auch nur ein Bus in unsere Nähe kam, war Timo so freundlich (er und seine Familie waren auch am packen) uns mit in die Stadt zu nehmen. Das bestätigt doch mal wieder die These, dass Finnen ein unheimlich freundliches und hilfsbereites Völkchen sind.
Und, manchmal muss man auch ein bisschen Glück haben.

Noch 47 Tage bis zum Heimflug.

Dienstag, Juni 21, 2005

Neuer Temperaturrekord

Ja, es ist kaum zu glauben, aber heute haben wir den Rekord der höchsten Temperaturen dieses Jahr in Finnland gebrochen: sage und schreibe 25°C hat das Thermometer heute in der Stadt angezeigt.

Damit ist wohl ein für alle mal klar, dass wir den Sommer erreicht haben – und das passend zum 21.06., zum Sommeranfang und gleichzeitig längsten Tag des Jahres.

So müsste nun eigentlich heute auch Mittsommer sein. Doch die Finnen sind da ganz gerissen, die verlegen Juhannus (wie sie Mittsommer hier nennen) ganz geschickt, einfach aufs Wochenende, damit auch jeder mitfeiern kann und keiner am nächsten Morgen früh aus dem Bett raus muss. Ganz schön clever. *g*

Apropos längster Tag des Jahres: dann werden die Tage ja jetzt wieder kürzer und ich komme somit vielleicht auch mal eher ins Bett und vor allem, ganz wichtig, es wird wieder schneller dunkler.
Ich weiß, ich würde mich, wenn ich jetzt in D wäre, selber für verrückt erklären, wenn ich mir wünschen würde, dass es wieder eher dunkel wird.
Aber ihr habt doch sicher schon mal was von den weißen Nächten in Finnland gehört, oder?

Die Nächte heißen nicht ohne Grund so, denn obwohl wir hier ziemlich im Süden von Finnland sind, wird es hier nachts nicht mehr dunkel. Nun gut, es ist auch nicht taghell, aber eben auch nicht mehr ganz dunkel. Also eigentlich befinden wir uns ab ca. 23:15 Uhr bis 3:30 Uhr (wenn die Sonne wieder aufgeht) in einer Art Dämmerung. Ich weiß nicht, ob die Sonne überhaupt richtig unter geht, denn die ganze Nacht über ist am Horizont ein heller Streifen zu beobachten, eben weil die Sonne immer noch irgendwie da ist.

Eigentlich ist es echt super, dass es so lange hell ist, man kann unendlich lange draußen sitzen (wenn man nicht vorher die Flucht vor den vielen Mücken ergreift) und wird auch nicht so schnell müde. Aber genau da liegt mein Problem: Eigentlich kann ich sonst immer schlafen, egal was mich bedrückt. Aber hier ist es einfach zu hell. Dann bin ich eh schon immer bis nach 2:00 Uhr wach und wenn die Sonne gegen 3:30 Uhr wieder aufgeht, dann scheint sie genau bei mir ins Zimmer (ich hab nur helle Vorhänge, die halten das nicht wirklich ab).
Heute bin ich erst gegen 5:00 Uhr eingeschlafen. Und dann komm ich natürlich erst mittags wieder aus den Federn. Mein Tagesrhythmus ist total durcheinander.



Sonnenaufgang 3:30 Uhr in Hämeenlinna




Auch wenn wir hier keine Temperaturen über 30°C, so wie in D erreichen, find ich es eigentlich super angenehm so. Es ist warm genug um in kurzen Sachen herum zu laufen und nicht zu heiß, als das man nichts mehr unternehmen könnte und schon davon fließt, wenn man nur das Haus verlässt.

Und ich hab das Gefühl, dass die Sonne mir hier weniger schlecht tut, als in D. Na gut, ich hab auch eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30, aber selbst dann darf man sich auch nicht unbegrenzt lange in der Sonne aufhalten. Ich habe jedenfalls noch keinen Sonnenbrand bekommen, obwohl ich hier länger in der Sonne bin als zu Hause, da meide ich sie eigentlich konsequent.


Und es gibt noch eine gute Neuigkeit: so langsam komm ich in die Gänge was die Planung meines Urlaubes Anfang August hier in Suomi angeht. Hoffentlich klappt das auch alles so, wie ich mir das ausmale.

Und noch was, ich glaub es ist Zeit, dass ich nun mal einen Countdown einführe. Ja, die Zeit, die wir noch in Finnland verbringen neigt sich so langsam dem Ende zu. Also sei es drum: noch 53 Tage bis zum Heimflug nach Deutschland. Ich freu mich auf zu Hause!!!

Hat zufällig jemand am 13.8.05 gegen 22:00 Langeweile?
Ich komm vom Flughafen Frankfurt/Hahn ohne Probleme zum Bahnhof nach Frankfurt/Main, nur sitz ich da dann fest. Nach 21:00 Uhr fährt nämlich kein Zug mehr nach Erfurt, der nächste geht erst 0:48 Uhr am 14.8.
Mag mich jemand abholen kommen????

Sonntag, Juni 19, 2005

... so schmeckt der Sommer...

Endlich kann ich euch mitteilen, dass nun auch in Finnland der Sommer zugegen ist. *jippie*

Endlich gibt’s auch hier das richtige Wetter für kurze Hosen, Röcke, Kleider und Neckholder…
Endlich muss man sich auch hier mit Sonnencreme einreiben (Lichtschutzfaktor 30 für meine Wenigkeit, wegen meiner überempfindlichen Haut), braucht keine Jacke mehr mit sich rumzuschleppen, kann Sandalen tragen und Eis essen gehen…

Wir haben heute schon den ganzen Tag super geiles Wetter, blauen Himmel, kein Wölkchen in Sicht und die Sonne knallt was das Zeug hält.
Da hat natürlich keiner Bock den ganzen Tag in der Bude zu verbringen. Daher bin ich vorhin einfach mal losgezogen – mal schauen, wo es mich so hintreibt.

Ich bin durch die Stadt gelaufen, hatte meine Kamera dabei und musste einfach mal alles festhalten, was mir so vor die Linse kam. Bei schönem Wetter sieht doch alles gleich ganz anders aus (kann mir gar nicht mehr vorstellen, dass hier noch vor knapp zwei Monaten Schnee lag).

Und ich hab mal wieder entdeckt, welch schöne Plätze Riihimäki (obwohl es so klein ist und auch keinen einzigen See hat) zu bieten hat.
Und ich habe sogar was Neues entdeckt:

Ganz versteckt, im Wald, nahe der Schwimmhalle liegt die Galleria Allinna.
Ich frag mich echt, warum wir da nicht schon eher drauf gestoßen sind, wo wir doch mind. zweimal die Woche zum Schwimmen dort lang gelaufen sind.

Soweit wie ich das in Erfahrung bringen konnte, ist das Haus Allinna Anfang des 19. Jahrhunderts von einem deutschen Namens Rudolf Gestrin für seine Frau, eben Allinna, gebaut worden.
Heute werden darin regelmäßig Gemälde und andere Kunst ausgestellt und ein Restaurant und Cafe sind darin ansässig.




Ausstellung


Restaurant

Ich bin also ganz gemütlich durch die Gegend geschlendert und stand auf einmal genau vor dem Haus Allinna. Es ist echt unheimlich schön und auf einmal hab ich mich gefühlt, als sei ich in einer anderen Welt. Bin ich wirklich in Riihimäki???




Galleria Allinna

Vor dem Haus hat mich dann eine Frau angesprochen, ob ich mich verlaufen hätte oder was Bestimmtes suchen würde. Sie war auch so freundlich und hat mich aufgeklärt, wo ich eigentlich bin.

Naja und kaum hab ich mich versehen saß ich auch schon mit ihr und fünf weiteren Personen zum Kaffee auf der Terrasse in der Sonne.
Anita (so der Name der guten Frau) hat mir dann erzählt, dass sie alle Schauspieler seien und gerade dabei sind das Kesäteatteri (Sommertheater), gleich neben der Galeri Allinna, aufzubauen und zu proben, denn am 03.07.05 wird ihr neues Stück „Sydän Rakastaa“ („Herzliebe“) uraufgeführt.

Es ist eine Komödie um drei Liebespaare, auf die allerhand Trouble zukommt, das ganze wird mit viel Gesang untermalt und auch eine Band ist zugegen (leider alles auf finnisch).

Es war richtig nett, so unter Schauspielern (würde mich ja auch gern dazu zählen – musste gleich an die Zeit denken, in der ich in Erfurt selbst Theater gespielt habe – hab gleich Lust bekommen auch mal wieder auf einer Bühne zu stehen.).

Und das Beste: Anita hat mich zur Premiere eingeladen, sozusagen als SpecialGuest.


"Sydän Rakastaa"


Schauen wir mal – aber eigentlich würde ich es mir schon gerne anschauen.

Montag, Juni 13, 2005

Abschiedsparty für Aaron

Jaja, so schnell geht die Zeit vorbei.
Morgen fliegt Aaron (unser Spanier) zurück in seine Heimat.
Natürlich konnten wir ihn nicht einfach so, ohne ordnungsgemäß „Auf Wiedersehen“ zu sagen, gehen lassen. Daher haben wir am Samstagabend, 11.06.05, eine kleine Abschiedsparty für Aaron gegeben.

Wir haben bei Katrin und Monique im Garten hinterm Haus gegrillt.


lecker Grillen (sowas fotografiert auch nur Eva :-) )

Natürlich hatten wir für Aaron auch eine kleine Überraschung bereit.




die Kerzen werden angezündet


Eva überreicht den Überraschungskuchen





Aaron und sein Kuchen

Aaron schneidet seinen Kuchen an

Den ganzen Tag war es super warm, aber als wir abends zum essen draußen saßen ist es zugezogen. Aber wir sind hart (nur die Harten kommen in den Garten) und sind weiterhin draußen geblieben – bis uns die Mücken gar nicht mehr in Ruhe lassen wollten.



die gesamte Truppe

Dann sind wir einfach nach drinnen, in die Küche, umgezogen und haben angefangen Vodka Ahoi zu trinken. Ich hatte extra, als wir die paar Tage in Offenburg waren, bei Lidl welchen gekauft, weil der in FIN so teuer ist. Alex, Aaron und Katrin waren von der Ahoi-Brause in Kombination mit dem Vodka so gegeistert, dass wir die Flasche innerhalb kürzester Zeit leer hatten. *g*



Katrin und ich

Obwohl Eva und ich danach lieber ins Bett gegangen wären, konnte uns Katrin dann doch noch überreden mit in die Disco zu kommen. Also waren wir (mal wieder) im Sirkus.

In Finnland ist das ab und zu recht heikel in die Disco zu gehen. Oft lassen sie dich hier nämlich erst ab 24 rein und meistens wird man sowieso kontrolliert – also muss man immer seinen Ausweis mitschleppen. Nervig, aber besser, als wenn man nicht rein gelassen wird (so wie ich beim ersten Mal weggehen L).

Im Sirkus war es dann eigentlich doch noch ganz ok, wenn man davon absieht, dass wir jedes Mal, aber wirklich jedes Mal von besoffenen Finnen angequatscht werden. Am Anfang war das noch ganz lustig, weil man dass ja aus Deutschland selten kennt. Aber auf die Dauer ist es echt nervig, wenn ständig irgendeiner angelatscht kommt und dich belagert. Wenn es wenigstens mal gut aussehende Männer wären, die da kommen. Aber das hatte ich ja glaube schon mal erwähnt – die sucht man hier vergeblich!

Hämeen Linna

Ich bin immer wieder aufs Neue überrascht, wie schnell eine Woche um ist. Seit sage und schreibe 16 Wochen verweilen wir nun schon in Finnland. Und die Zahl der übrigen Wochen hat sich auf eine einstellige Zahl reduziert. Noch neun Wochen (davon sind zwei Wochen Urlaub) und dann habt ihr mich wieder. *g*

Leider lassen unsere Projekte an der Hochschule auf sich warten und so haben wir allerhand Zeit zum …, mhm,… naja,… was machen wir eigentlich den ganzen Tag??? :-)

Weil am letzten Mittwoch, 08.06.05, so schönes Wetter war – ja, man glaubt es kaum, nun ist auch endlich T-Shirt-Wetter in Finnland – sind wir nach Hämeenlinna gefahren um uns die dortige Burg Hämeen Linna (Häme ist die Region und Linna ist finn. Burg) anzuschauen.




Burg Häme

Wir waren dann schon sehr erstaunt, als wir von weitem überall an den Ufern des Sees um die Burg herum so viele Menschen gesehen haben. Was mag da los sein?
Als wir näher kamen, wurde das Geheimnis schnell gelüftet – dort wurde geangelt was das Zeug hält.


Fischer am See


Die Fischer saßen vielleicht im Abstand von einem Meter auseinander. Wir haben mindestens 60 Personen gezählt und die Menschenkette wollte immer noch nicht aufhören. Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, ob das wirklich so Erfolg versprechend ist, wenn alle so dicht aufeinander hängen. Fängt man da überhaupt etwas?











Auf der Burg angekommen haben wir uns die zwei Ausstellungen, „Woman in Gala“ – Kleider der 50er bis frühen 80er Jahre und die ansässige Ausstellung über die „Geschichte der Burg Häme“ angeschaut.





Woman in Gala - Ausstellung






Ausstellung Geschichte der Burg Häme




Die Burg ist echt total verwinkelt und von innen viel größer, als man von außen im ersten Moment annimmt. Sie ist von innen richtig gut wiederhergerichtet worden, man kommt überall durch kleine Durchgänge zum nächsten Zimmer, man kommt sogar zu einer Galerie. Alles ist miteinander verbunden, so dass man einen, im wahrsten Sinne des Wortes, Rundgang durch die gesamte Burg machen kann.
Ich hab mir auch gleich mein nächstes Zimmer ausgesucht, mit Kamin und Sitzecke am Fenster… *g*





mein neues Esszimmer

und Wohnzimmer



Blick von der Burg

Danach saßen wir am Steg des Sees vor der Schule (wo wir auch unseren Finnischkurs hatten) und haben uns gesonnt. Ich wäre fast eingeschlafen, so schön entspannend war das.

Aber wir waren ja mit Katrin und Monique zum Kaffee verabredet. Da gab’s dann lecker Latte Macchiato und Kuchen. *leckerschmatz*

Freitag, Juni 10, 2005

Kleine Werbung in eigener Sache

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, habe ich mir vor geraumer Zeit einen zweiten Blog angelegt, der auch über meine Linkliste zu erreichen ist: Finnenwissen Weblog.

Dort könnt ihr mehr über Finnland und die Finnen erfahren – also Insiderwissen, welches man (wahrscheinlich) nur bekommt, wenn man eine Weile in dem Land gelebt hat.
Leider habe ich ihn in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt, aber das soll sich nun ändern.
Ich bin gerade dabei ihn mit neuen Texten zu füttern.

Ihr seid hiermit herzlich eingeladen auch in diesem Blog nach Lust und Laune zu stöbern und zu staunen, was Suomi alles zu bieten hat.

Also, viel Spaß beim lesen!

Samstag, Juni 04, 2005

Abenteuer Mökki

Unser Tutor Lasse hatte uns schon vor geraumer Zeit zum Grillen auf das Mökki seiner Eltern (Sommerhaus der Finnen, meist direkt am See) eingeladen.
Gestern sollte es nun also endlich soweit sein.

Tuomas (Freund von Lasse) hat uns kurz vor halb fünf abgeholt und dann ging es mit dem Zug Richtung Osten, nach Lappila. Dort hat uns Lasse mit dem Auto eingesammelt und weiter ging’s noch mal ungefähr 10 min Richtung Nirgendwo.

Lasse hatte uns vorgewarnt, wir sollten uns keine Illusionen machen, „the Cabin“ ist nur ein kleines Haus, ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Wir waren nun auf das Schlimmste gefasst doch was uns erwartete war alles andere als das.

Das Mökki ist ein voll süßes, rotes, kleines Häuschen, mit Vorraum, Küche, Sitzecke und natürlich einer Sauna. Es ist ziemlich ähnlich den kleinen Schrebergärtchen, welches Großeltern meist haben, zumindest riecht es innen genauso. *g*
Das Sommerhaus liegt direkt am See, d. h. man geht aus dem Haus und steht schon fast auf dem Steg der zum Wasser führt.
Und dann gibt es natürlich noch ein Boot, mit dem man auf den See hinausfahren und angeln kann.

Im Großen und Ganzen unbeschreiblich schön. Die Landschaft ist wunderschön – eben genauso, wie man sich Finnland vorstellt. Ein See, überall am Ufer kleine Häuschen, Ruhe, kein lästiges Motorengeräusch – man hört nur die Vögel zwitschern und die Fische, wenn sie aus dem Wasser nach Fliegen schnappen.
Der See ist ganz ruhig, kein Lüftchen weht, es ist warm und die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel…



Idylle pur

Da alle Hunger hatten haben wir erst mal gegrillt.
Dieses Mal hatten wir allerdings vorgesorgt. Da wir die Finnischen Würstchen nicht mögen – stellt euch vor, die machen da Mehl rein – haben wir bei Lidl (bin ich froh, dass es Lidl gibt) echte „Nürnberger Würstchen“ (Thüringer gibt’s im Lidl leider nicht, sonst hätten wir natürlich die genommen – an dieser Stelle: Gruß an Andreas
:-)) gekauft und die auf den Grill gepackt. (Puh, das war ein langer Satz *g*)



links die Guten, rechts die anderen halt :-)

Bei unserem Versuch Lasse und Tuomas von den wirklich besseren Würsten zu überzeugen konnten wir allerdings nicht so recht punkten. Aber egal, Hauptsache, uns schmeckt’s.



Tuomas und Lasse

Danach ging es mit dem Boot auf den See – Angeln.
Nun hab ich noch nie vorher in meinem Leben geangelt und hab mich dementsprechend auch recht blöd bei den ersten Versuchen, die Angel auszuwerfen, angestellt. Ich musste so lachen, dass ich schon Angst hatte, die ganzen Fische vergrault zu haben.

Aber dem war nicht so.
Eva hat gleich drei Fische gefangen. Die ersten beiden waren allerdings so klein (vielleicht 10-15 cm lang), dass wir sie wieder zurück in den See geworfen haben. Der dritte, wahrscheinlich ein riesiges Vieh, zumindest nach den Anstrengungen zu urteilen, die Eva hatte ihn zu halten, ist ihr leider wieder entwischt. Der war clever und ist einfach unter das Boot geschwommen und somit freigekommen.



Der Fisch und Eva

Naja, weiß nicht, ob ich die Fische gegessen hätte. Ist schon was anderes, wenn man vorher gesehen hat, wie das spätere Essen grad noch gelebt hat.

Als die Sonne dann hinter den Wolken verschwand und es langsam kühler wurde sind wir wieder zurück gerudert.

Zurück am Mökki gab’s dann noch gegrillte Banane mit Schokolade. Sah schon lecker aus, leider konnte ich mich nicht dazu aufraffen noch was zu essen (die Würstchen waren dann wohl doch zu viel).



gegrillte Bananen

Später haben wir dann den Offen im Haus angefeuert („…los Ofen los, du schaffst es…“ *g*) und versucht uns gegenseitig Kartenspiele beizubringen.


im Mökki


Die zwei Jungs sind dann irgendwann in der Sauna verschwunden (wir hatten leider keine Handtücher dabei, sonst wären wir auch gegangen :-() und wir zwei Hübschen haben uns Kerzen angezündet und gelesen.

Nun weiß ich auch, warum sie im Mökki nicht wirklich Strom brauchen. Im Sommer ist es eh bis nach Mitternacht hell, da braucht man kein künstliches Licht, da reichen zur Not auch Kerzen.

Als die zwei sich dann im See abgekühlt hatten (gekreischt haben sie wie Mädchen, als sie ins kalte Wasser gesprungen sind *g*) sind wir auch langsam aufgebrochen.

Die gesamte Autofahrt zurück nach Riihimäki habe ich aus dem Fenster geschaut und mich an dem wunderschönen Sonnenuntergang erfreut.
Man muss dazu sagen, dass es schon nach 0:00 war, als wir aufbrachen. Von dunkler Nacht kann hier nun keine Rede mehr sein (es geht ja nun auch mit großen Schritten auf Mittsommer zu). Klar, es ist nicht taghell, aber dunkler als Dämmerung wird es nun nicht mehr und man hat am Horizont immer noch einen Rest hellen Streifen, der jeden Tag eine andere Farbe hat – mal gelb und rosa, dann wieder in lilatönen oder in rot gehalten…
Voll schön – das ist was, was ich in Deutschland auf alle Fälle sehr vermissen werde.