Linnunradankatu heißt "Milchstraße" auf finnisch. Das ist die Straße in der das Wohnheim in Riihimäki ist, dort wohnen wir für ein halbes Jahr (21.2. - 03.08.2005).

Samstag, Juni 04, 2005

Abenteuer Mökki

Unser Tutor Lasse hatte uns schon vor geraumer Zeit zum Grillen auf das Mökki seiner Eltern (Sommerhaus der Finnen, meist direkt am See) eingeladen.
Gestern sollte es nun also endlich soweit sein.

Tuomas (Freund von Lasse) hat uns kurz vor halb fünf abgeholt und dann ging es mit dem Zug Richtung Osten, nach Lappila. Dort hat uns Lasse mit dem Auto eingesammelt und weiter ging’s noch mal ungefähr 10 min Richtung Nirgendwo.

Lasse hatte uns vorgewarnt, wir sollten uns keine Illusionen machen, „the Cabin“ ist nur ein kleines Haus, ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Wir waren nun auf das Schlimmste gefasst doch was uns erwartete war alles andere als das.

Das Mökki ist ein voll süßes, rotes, kleines Häuschen, mit Vorraum, Küche, Sitzecke und natürlich einer Sauna. Es ist ziemlich ähnlich den kleinen Schrebergärtchen, welches Großeltern meist haben, zumindest riecht es innen genauso. *g*
Das Sommerhaus liegt direkt am See, d. h. man geht aus dem Haus und steht schon fast auf dem Steg der zum Wasser führt.
Und dann gibt es natürlich noch ein Boot, mit dem man auf den See hinausfahren und angeln kann.

Im Großen und Ganzen unbeschreiblich schön. Die Landschaft ist wunderschön – eben genauso, wie man sich Finnland vorstellt. Ein See, überall am Ufer kleine Häuschen, Ruhe, kein lästiges Motorengeräusch – man hört nur die Vögel zwitschern und die Fische, wenn sie aus dem Wasser nach Fliegen schnappen.
Der See ist ganz ruhig, kein Lüftchen weht, es ist warm und die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel…



Idylle pur

Da alle Hunger hatten haben wir erst mal gegrillt.
Dieses Mal hatten wir allerdings vorgesorgt. Da wir die Finnischen Würstchen nicht mögen – stellt euch vor, die machen da Mehl rein – haben wir bei Lidl (bin ich froh, dass es Lidl gibt) echte „Nürnberger Würstchen“ (Thüringer gibt’s im Lidl leider nicht, sonst hätten wir natürlich die genommen – an dieser Stelle: Gruß an Andreas
:-)) gekauft und die auf den Grill gepackt. (Puh, das war ein langer Satz *g*)



links die Guten, rechts die anderen halt :-)

Bei unserem Versuch Lasse und Tuomas von den wirklich besseren Würsten zu überzeugen konnten wir allerdings nicht so recht punkten. Aber egal, Hauptsache, uns schmeckt’s.



Tuomas und Lasse

Danach ging es mit dem Boot auf den See – Angeln.
Nun hab ich noch nie vorher in meinem Leben geangelt und hab mich dementsprechend auch recht blöd bei den ersten Versuchen, die Angel auszuwerfen, angestellt. Ich musste so lachen, dass ich schon Angst hatte, die ganzen Fische vergrault zu haben.

Aber dem war nicht so.
Eva hat gleich drei Fische gefangen. Die ersten beiden waren allerdings so klein (vielleicht 10-15 cm lang), dass wir sie wieder zurück in den See geworfen haben. Der dritte, wahrscheinlich ein riesiges Vieh, zumindest nach den Anstrengungen zu urteilen, die Eva hatte ihn zu halten, ist ihr leider wieder entwischt. Der war clever und ist einfach unter das Boot geschwommen und somit freigekommen.



Der Fisch und Eva

Naja, weiß nicht, ob ich die Fische gegessen hätte. Ist schon was anderes, wenn man vorher gesehen hat, wie das spätere Essen grad noch gelebt hat.

Als die Sonne dann hinter den Wolken verschwand und es langsam kühler wurde sind wir wieder zurück gerudert.

Zurück am Mökki gab’s dann noch gegrillte Banane mit Schokolade. Sah schon lecker aus, leider konnte ich mich nicht dazu aufraffen noch was zu essen (die Würstchen waren dann wohl doch zu viel).



gegrillte Bananen

Später haben wir dann den Offen im Haus angefeuert („…los Ofen los, du schaffst es…“ *g*) und versucht uns gegenseitig Kartenspiele beizubringen.


im Mökki


Die zwei Jungs sind dann irgendwann in der Sauna verschwunden (wir hatten leider keine Handtücher dabei, sonst wären wir auch gegangen :-() und wir zwei Hübschen haben uns Kerzen angezündet und gelesen.

Nun weiß ich auch, warum sie im Mökki nicht wirklich Strom brauchen. Im Sommer ist es eh bis nach Mitternacht hell, da braucht man kein künstliches Licht, da reichen zur Not auch Kerzen.

Als die zwei sich dann im See abgekühlt hatten (gekreischt haben sie wie Mädchen, als sie ins kalte Wasser gesprungen sind *g*) sind wir auch langsam aufgebrochen.

Die gesamte Autofahrt zurück nach Riihimäki habe ich aus dem Fenster geschaut und mich an dem wunderschönen Sonnenuntergang erfreut.
Man muss dazu sagen, dass es schon nach 0:00 war, als wir aufbrachen. Von dunkler Nacht kann hier nun keine Rede mehr sein (es geht ja nun auch mit großen Schritten auf Mittsommer zu). Klar, es ist nicht taghell, aber dunkler als Dämmerung wird es nun nicht mehr und man hat am Horizont immer noch einen Rest hellen Streifen, der jeden Tag eine andere Farbe hat – mal gelb und rosa, dann wieder in lilatönen oder in rot gehalten…
Voll schön – das ist was, was ich in Deutschland auf alle Fälle sehr vermissen werde.