Linnunradankatu heißt "Milchstraße" auf finnisch. Das ist die Straße in der das Wohnheim in Riihimäki ist, dort wohnen wir für ein halbes Jahr (21.2. - 03.08.2005).

Sonntag, Juli 03, 2005

Sydän Rakastaa

Mitte Juni hatte ich euch doch von meinem Kennenlernen der Schauspieler vom Sommertheater (Kesäteatteri) hier in Riihimäki berichtet. Und heute war es soweit, heute war die große Premiere ihres Stückes Sydän Rakastaa.

Da ich vom Star des Stückes, Anita Hirvonen, eine persönliche Einladung hatte, hab ich mich also heute auf einen ereignisreichen Nachmittag mit einem Ausflug in die Welt des finnischen Theaters eingelassen.

Das Sommertheater befindet sich gleich neben der Galleria Allinna, auf einer kleinen Lichtung, welche von Bäumen umgeben ist.
Die Kulisse war zweistöckig angelegt, im Untergeschoss befand sich auf der linken Seite das Restaurant, rechts saß die Band. Das Obergeschoss war als eine Art Wohn- und Ankleidezimmer in einem, mit Schminktisch und Garderobe auf der einen und Couch und Tisch auf der anderen Seite hergerichtet.

Die Kulisse hat mich irgendwie sehr an unsere vom AV-Studio zur unserer Show Roomate Wanted erinnert – es sah auch sehr nach viel Selbstgebasteltem und Jeder-bringt-mit-was-er-zu-Hause-hat aus. Auf alle Fälle ziemlich schräg und bunt, aber wirklich nicht ungemütlich sondern eben typisch Theater.

Wegen meiner schlechten Finnischkenntnisse :-( hab ich zwar so gut wie nichts verstanden, aber die Atmosphäre war echt toll, es hat einfach gestimmt, was die Schauspieler auf der Bühne geboten haben. Und da das ganze als eine Art Musical ausgelegt war (natürlich auch mit finnischen Liedern) war unheimlich viel Leben in der ganzen Szenerie und ich denke im Großen und Ganzen habe ich auch verstanden um was es ging:

Ein junges Liebespaar; auf der einen Seite eine junge Frau, die von ihrem Freund schwanger ist und deren Eltern sich immer nur in den Haaren haben. Auf der anderen Seite der junge Mann, dessen Eltern sich ebenfalls ständig zoffen und obendrein eine Bar/Restaurant für Lesben und Schwule unterhalten.
Bei Seiten versuchen nun ihren Eltern zu erklären, dass sie verliebt sind und eine Familie gründen wollen. Nun geht es daran, die Eltern miteinander bekannt zu machen und einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen, damit beide der Verbindung der Liebenden zustimmen.
Möglichst guten Eindruck: das heißt, die Homobar muss in ein ehrbares Restaurant umgewandelt werden, der schwule Barmann muss sich hetero benehmen und die Streitereien zwischen den Ehepaaren muss aufhören…

Das ganze ist mit ziemlich viel Musik, Gesang und Tanz unterlegt. Das ist wohl auch der Hauptgrund für die Lebendigkeit des Stückes, damit wird es aufgelockert und der Witz, der hinter der ganzen Sache steckt kommt voll zum Tragen.

Es war wirklich eine interessante Erfahrung und ich habe umso mehr Lust bekommen, endlich mal wieder selbst auf der Bühne zu stehen und in die Rolle einer Anderen zu schlüpfen.

Noch 41 Tage bis zum Heimflug.