Linnunradankatu heißt "Milchstraße" auf finnisch. Das ist die Straße in der das Wohnheim in Riihimäki ist, dort wohnen wir für ein halbes Jahr (21.2. - 03.08.2005).

Dienstag, März 29, 2005

Ostern auf Seurasaari

So, nun hab ich endlich mal wieder Zeit (bzw. Lust *g*) zu berichten, was sich so die letzten Tage ereignet hat.

Das wichtigste Ereignis am letzen Wochenende war wohl Ostern --> Pääsiäistä - wie man auf finnisch sagt.
Demnach schicke ich allen noch (etwas verspätete) Ostergrüße

Iloista Pääsiäistä!

Am Samstag Mittag haben wir uns mit ein paar Leuten aus unserem Finnischkurs in Helsinki verabredet.
Bei dem schönen Wetter, das wir hatten, sind wir erst noch ein bisschen durch die Stadt gebummelt. (Man will es kaum glauben, Plusgrade sind nun seit knapp einer Woche an der Tagesordnung - so auch am Samstag. Wir hatten Sonnenschein, blauen Himmel und angenehme +5°C.)

Auf den Stufen vor dem Dom haben wir Mädels es uns dann in der Sonne gemütlich gemacht, mit Blick auf den Senatsplatz, und gepicknickt.
Bei dem Wetter hatten wir natürlich nicht als Einzige diese grandiose Idee und so waren wir von vielen Gleichgesinnten umgeben.





Monique, Katrin, Lori und Eva
auf den Stufen vor dem Dom

Dom in Helsinki

Später haben wir uns wieder mit den Jungs getroffen und sind mit dem Bus zusammen nach Seurasaari - auf zum Osterfeuer gefahren.


Brücke nach Seurasaari mit Blick aufs Wasser

Die Insel, die zu Helsinki gehört und nur einen Katzensprung von der Innenstadt entfernt liegt, ist wirklich unbeschreiblich schön. Überall stehen alte, typische, finnische Holzhäuschen, Windmühlen und kleine Hütten. Sie sind mehr oder weniger im Wald versteckt und, wie sollte es anders sein, alles ist von Wasser umgeben (wenn mich nicht alles irrt, dann ist das auch noch die Ostsee) .





Haus auf Seurasaari

Bank an der Brücke zu Seurasaari

Und genau dort, am Wasser auf einem Steg in Richtung Westen, durften wir einen wunderschönen, farbintensiven Sonnenuntergang miterleben.


nahender Sonnenuntergang

Das Licht hier ist einfach sagenhaft. Kurz bevor die Sonne am Horizont verschwand hat sie sich noch mal von ihrer besten Seite gezeigt und alles um sich in warmes Licht getaucht.
Einfach schön.:-)




Steg zum Wasser

Lori, Katrin und ich (von rechts) am Steg

Nachdem die Sonne weg war, ist es schnell kühl geworden und so haben wir uns auf den Weg zum Feuer gemacht.

Viele kennen Osterfeuer vielleicht aus der Heimat, für die, die damit nicht viel anfangen können, werde ich Sinn und Zweck der Osterfeuer gerne erläutern:

Pääsiäinen ist, wie schon erwähnt, der finnische Name für Ostern. Er bedeutet "Befreiung". Befreiung von der fleischlosen Fastenzeit, Befreiung Christi aus dem dunklen Grab und vor allem Befreiung von der Kälte.
Wie in allen anderen christlichen Ländern ist Ostern auch in Finnland ein religiöses, aber auch ein Fest der Familie. Traditionell werden an diesen Festtagen Lammbraten und Eierspeisen serviert. Als Nachtisch gibt es Mämmi. Dies ist eine echt furchterregend aussehende Speise aus Roggenmehl und Malz. Unsere Finnischlehrerin war so unbehobelt und meinte, es würde wie "Scheiße" aussehen. Mhm, wo sie Recht hat...

Naja, ganz so schlimm ist es nicht. Es hat mich eher an Brownies erinnert, allerdings nicht so fest wie dieser Kuchen, sondern eher zähflüssig, so wie der Teig, wenn man Tortenboden backen will, aber eben in dunklem braun.

Typischer Weise nimmt man Mämmi mit Unmengen an Zucker (sokeri) und (flüssiger) Sahne (kerma) zu sich - anders ist es auch kaum zu ertragen. *g*
Habt ihr schon mal Pumpernickel probiert?
So, nur in einer cremigen Variante, schmeckt Mämmi - meiner Meinung nach, ein kulinarischer Tiefschlag hoch drei.

Ganz typisch für Finnland ist auch, das eigentlich jeder sein eigenes Ostergras säht. Das steht dann auf den Fensterbänken oder auf diversen Ostertischen im Haus. Keine Ahnung, was da so toll dran ist - aber sie tun es, haufenweise.
Um noch eins drauf zu setzen: zu Ostern ist hier auch nicht der Osterhase unterwegs um für die Kinder Ostereier und allerei Süßes zu verstecken. Hier trifft man rutenschlagende Hexen auf der Straße, und vielleicht hat man Glück und eine nimmt einen auf ihrem Besen mit - auf zum Osterfeuer.

Und damit zurück zum eigentlich Thema: Osterfeuer
Diese werden am Abend des Ostersamstags auf Seurasaari angezündet und dort tanzen dann Kinder, als Hexen und Trolle verkleidet, ums Feuer, um den Winter auszutreiben und den Frühling willkommen zu heißen.

(Die finnische Ostertradition lebte und lebt teilweise heute noch in ihren Trullis. In der Fastenzeit, so sagen die Legenden, trieben die Trullis, die Hexen, ihr Unwesen. In großen Osterfeuern wurden deshalb damals Hexenpuppen verbrannt.)


Osterfeuer

Die Osterfeuer auf Seurasaari sind ein großer Anziehungspunkt für viele Menschen. Selbst als die Feuer schon fast heruntergebrannt und wir auf dem Rückweg waren, kamen uns immer noch Leute entgegen, die zu den Feuern strömten.

Zurück in Helsinki waren wir alle zusammen noch auf einen Absacker was trinken. Und weil wir in Finnland sind, waren wir natürlich in einer spanischen Bar. :-)
Dort haben wir gemütlich unseren kahvi (Kaffee) geschlürft und uns in einem lustigen Kauderwelsch aus den verschiedensten Akzenten auf Englisch versucht zu unterhalten.