Linnunradankatu heißt "Milchstraße" auf finnisch. Das ist die Straße in der das Wohnheim in Riihimäki ist, dort wohnen wir für ein halbes Jahr (21.2. - 03.08.2005).

Dienstag, Juli 26, 2005

Bald, bald ist es soweit

ja, "...morgen Kinder wirds was geben..." Nein, wir haben noch kein Weihnachten! Kleiner Scherz am Rande. :-)

Mal ganz im Ernst: unsere letzte Woche in Riihimäki ist angebrochen. Noch bis Sonntag weile ich hier im Wohnheim und dann geht’s los auf Reisen. (Eva bleibt noch ein paar Tage länger, bis ihr Freund kommt und dann werden sie auch aufbrechen.)
Die ersten Tage werde ich mich wohl mal etwas in Seenfinnland, also im Osten des Landes, umschauen und am 5.8. kommt dann Martin nach Helsinki und wir starten unsere 5-tägige Radtour auf dem Schärenring vor Turku (Westküste).
Ich freu mich schon unheimlich drauf, nur das Wetter lässt bis jetzt etwas zu wünschen übrig.
Die letzten Wochen hatten wir super Sommerwetter, jeden Tag über 30 °C, doch seit ein paar Tagen zieht wohl ein mächtiges Tief über Finnland und will man dem Wetterbericht glauben, so war’s das wohl im Großen und Ganzen mit dem Sommer in Finnland.

Am 13.8. fliegen wir dann zurück nach Deutschland.
Ich freu mich unheimlich drauf euch dann alle wieder zu sehen. Für die, die in Offenburg weilen, leider sehen wir uns wohl erst zum Beginn des neuen Semesters, da ich bis Ende September wohl in meiner Heimatstadt Erfurt weilen werde - ich muss ja schließlich das Geld, das in dem halben Jahr hier drauf gegangen ist wieder rein holen und ein bisschen arbeiten gehen.

Ich freue mich unheimlich auf Deutschland, zu Hause und Offenburg. Aber ich glaube, ich werde auch eine ganze Menge von hier vermissen:
z. B. die tollen Sonnenuntergänge, die weißen Nächte, die wunderschöne Landschaft, das Grün überall und natürlich auch ein paar Leute, die ich hier kennen lernen durfte...

Am Donnerstag (28.7.) geben wir noch unsere Abschiedsfete. Dazu haben wir ein paar Leute, die wir hier im Wohnheim und in der Hochschule kennen gelernt haben, eingeladen. Mal schauen, was das wird.

In nächster Zeit wird es also keine Einträge im Weblog geben, da ich wie gesagt unterwegs bin.
Aber keine Angst, natürlich werde ich, sobald ich wieder sicher in Deutschland gelandet und zu Hause angekommen bin, berichten, was ich in meinem Urlaub (und auch bei der Abschiedsfete) alles erlebt habe.
Also, ich hoffe ihr könnt euch gedulden und freut euch auf die nächsten Berichte.

Bis dahin, liebe Grüße in die nahende Heimat.

Diana


Tschüss Finnland

Montag, Juli 18, 2005

Beach Volleyball, Grillen, Sauna und Mökki

Am Samstag (16.7.05) hatte uns Lasse wieder auf das Familien-Mökki in die Nähe von Lappila, ca. 20 min von Riihimäki entfernt, eingeladen.
Dieses Mal sollten wir auch nicht alleine mit ihm und Tuomas dort verweilen - nein, dieses Mal hatte er (zu unserem Erstaunen) gleich eine ganze Meute von Freunden eingeladen. Ich glaube zwischenzeitlich waren wir sogar 13 Leute.

Wir sind gegen 14:00 Uhr vom Wohnheim in Riihimäki mit Hanna und ihrem Freund losgefahren. Zuerst waren wir noch auf einem Bootrennen, wo Lasse an der Luftgewehrbude gearbeitet hat. Natürlich war ich sofort Feuer und Flamme, als er fragte, ob wir auch mal schießen wollen. Die Begeisterung schlug dann aber doch schnell in Frust um, als ich feststellen musste, dass das Gewehr erstens unheimlich schwer war und ich zweitens kaum was getroffen hatte.
Doch mit einem Becher Sideri und einer Zigarette konnte ich mich dann doch wieder versöhnlich stimmen lassen.

Dann ging’s los zum Mökki.
Dort sind wir aber nicht lange verweilt, denn bevor es zum gemütlichen Teil des Tages überging war noch ein Beach Volleyball Spiel angesagt.
Ich hab ja schon seit Ewigkeiten kein Volleyball gespielt und mich natürlich unheimlich drauf gefreut und insgeheim gehofft, dass ich mich auch nicht blamiere. Aber da ich vom Volleyball spielen in Erfurt gewohnt bin, mich unter Männern behaupten zu müssen, war es auch dieses Mal nicht das Problem unter Lasses Freunden zu beweisen, das ich nicht nur gerne, sondern auch gut spielen kann. (Ich weiß, Eigenlob stinkt, aber wenn es sonst keiner tut…*g*)
Ich hab dann mit Lasse ein Team gebildet und ich muss sagen, wir haben echt gut gespielt – wir haben jedenfalls gegen die zwei anderen Teams gewonnen.

Danach war ich richtig fertig, wir hatten auch die ganze Zeit in der prallen Sonne gespielt, mir war unheimlich warm, meine Füße taten mir vom heißen Sand weh und ich sah aus wie ein Dreckschwein, überall Sand, an den Beinen, Armen, in den Haaren, im Gesicht, ja sogar im Baumnabel hatten sich die Körnchen breit gemacht --> Zeit für eine Runde schwimmen im See.

Eva hatte in der Zwischenzeit erneut ihr Glück im Angeln probiert und sich dann später zu uns ans Volleyballfeld gesellt.

Doch dann hat der Hunger doch über die Sauberkeit gesiegt und ich hab mir nur kurz die Arme und Beine gewaschen, bevor wir uns auf unsere mitgebrachten Steaks, Tomaten und Baguettes her gemacht haben.

Nachdem der Abend dann schon weit fortgeschritten war und alle anderen schon die Sauna genossen hatten, sind Hanna, Eva und ich auch endlich in den Genuss gekommen.
Eigentlich waren Lasse und Matti (ein Freund von Lasse) noch in der Sauna und eigentlich kennen wir es aus Finnland so, dass man nicht gemischt in die Sauna geht, aber da Hanna auch so frech war sich zu den beiden zu gesellen, sind wir halt auch noch mit in die Sauna. Wir Mädels hatten alle unsere Badesachen an, natürlich um niemanden in Verlegenheit zu bringen.
J Später merkten wir dann, dass Lasse und Matti ihre Badehosen zwar mit in der Sauna hatten, diese allerdings ordentlich an einem Haken hingen. Mhm, was soll man dazu sagen???

Lasse hatte extra für die Sauna noch gebundene Birkenzweige mitgebracht. In Finnland ist es üblich, dass man sich damit in der Sauna gegenseitig schlägt. Das tut echt überhaupt nicht weh, ist eher sehr angenehm und vor allem riecht es unheimlich gut.
Weil alle die Zweige benutzen werden diese zwischendurch immer wieder über den Ofen gehalten und mit Wasser übergossen.

Nach der Sauna sind wir gleich in den 24 °C warmen See, direkt vor dem Mökki, gesprungen – wirklich super erfrischend – und ein Stück hinaus geschwommen. Das geschah alles bereits nach 23:00 Uhr und es war immer noch fast taghell draußen.

Dann hat sich alles recht schnell aufgelöst. In der Beziehung sind die Finnen schon etwas Eigen, da wird kaum Tschüss gesagt und schon haben sich alle verdrückt. Bei uns würde man sicher noch eine halbe Stunde brauchen, um genau auszumachen, wo man sich später wieder trifft, was man noch machen will, …
Mhm, andere Länder, andere Sitten.
Die anderen sind dann noch nach Lathi, was trinken gefahren und wir sind mit Hanna und ihrem Freund zurück nach Riihimäki.

Es war wirklich ein sehr schöner Tag und für morgen sind wir bereits wieder zum Beach Volleyball verabredet. Ich hoffe das Wetter hält – ich freu mich jedenfalls drauf.

Noch 26 Tage bis zum Heimflug und 13 Tage bis zum Urlaub.

Sonntag, Juli 17, 2005

Kultur pur - Kiasma und Porvoo

Am letzten Donnerstag, 14.6.05, war es mal wieder an der Zeit eine kleine Reise zu unternehmen.
Laut diversen Reiseführern und Recherchen durchs Web und natürlich vom Hörensagen hieß es, Porvoo sei eine wunderschöne kleine Stadt an der Südküste von Finnland, nicht weit von Helsinki entfernt, die man unbedingt gesehen haben muss.

Da von Riihimäki kein Zug nach Porvoo fährt, mussten wir erst nach Helsinki und dann vor dort ca. eine Stunde mit dem Bus nach Porvoo fahren.
Aber warum sollte man diesen kleinen Umweg über Helsinki nicht nutzen?
Und so haben wir mal etwas Kultur eingelegt und das Museum für zeitgenössische Kunst Kiasma besucht.

Es gibt dort zurzeit verschiedene Ausstellungen: Fifth Floor, Studio K, Kontii, In Another World, Kimmo Schroderus Expander und Pia Tikka Obsession.


Kimmo Schroderus Expander



Babys






Viele Sachen im Kiasma sind echt nett anzuschauen, z. B. Expander von Kimmo Schroderus, die Wand mit den Babyfotos oder In Another World, was sehr bunt, wie das Leben an einem einsamen Strand, mit vielen selbst gebastelten Sachen aus allem möglichen Zeug – eben wie in einer anderen Welt, wirkt. Aber auch seltsame Ausstellungsstücke kommen vor, wo man sich mehr als einmal fragt, was das eigentlich soll, wie Obsession von Pia Tikka oder andere recht pornografischen Werke, wo sich z. B. ein nackter Mann mit einem Seil um seine Eier auf einem Feld immer im Kreis dreht…



In Another World


Kartenhaus

Danach ging es mit dem Bus weiter nach Porvoo.
Nach ca. 50 km und einer Stunde Fahrt kamen wir in dem kleinen Städtchen an.
Porvoo ist nach Turku die zweitälteste Stadt Finnlands. Wahrzeichen der Stadt ist die Porvoo Kathedrale, ein gotischer Dom aus dem Jahre 1418 mit seinem Giebel aus roten Ziegeln.




Kathedrale in Porvoo

Am bekanntesten ist Porvoo wohl aber durch seine mittelalterlich wirkenden, bunten Holzhäuser und engen Gassen der malerischen Altstadt, die unter Denkmalschutz stehen.


Innenstadt Porvoo


Auf vielen Postkartenmotiven sind daher die typisch roten Holzhäuschen am Fluss Porvoonjoki von Porvoo zu finden.


typisch rote Holzhäuser



In Porvoo lebte der finnische Nationaldichter Johan Ludvig Runeberg – zu seinem Frühstück gehörte ein von einer örtlichen Konditorei hergestelltes zylinderförmiges Gebäckteil. Diese wurde von den Bewohnern Porvoos bald Runeberg-Törtchen genannt.


Runeberg-Törtchen


Noch heute gehört dieses Törtchen zu den Spezialitäten vieler Cafes in Porvoo.



Porvoonjoki

Nach der Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten und einem ausgedehnten Spaziergang am Porvoonjoki mit einem lecker Softeis sind wir dann bei Rosso eingekehrt.
Rosso ist ein italienisches Restaurant und dort habe ich Eva, wie vor langer Zeit einmal versprochen, zum Abendessen eingeladen.
Für Eva gab es Steak und Pommes und für mich einen Salat mit Ziegenkäse - wirklich ein gutes Restaurant, sehr weiterzuempfehlen.

Picknick in Aulanko

Letzten Dienstag (12.6.05) haben wir uns mit Tobi getroffen. Wir wollten ihm einfach mal die Weltstadt Riihimäki zeigen. Nachdem wir durch die Hämeenkatu (Hämestraße), die durch die Innenstadt geht, gelaufen sind, waren wir auch schon wieder am Ende unserer Sightseeingtour.
Also weiter nach Hämeenlinna: dort haben wir erneut die Burg Häme besichtigt (Tobi war nämlich noch nicht dort).
Und dann ging es endlich zum lang ersehnten Picknick nach Aulanko.

Hämeenlinna wird nicht ohne Grund die Stadt der vielen Parks genannt – Aulanko ist eben so ein Park von Hämeenlinna, ein wunderschöner und großer dazu, der ideal zum und Picknicken und Entspannen geeignet ist, aber auch zum Golfen, Tennis spielen, Reiten und Kanu fahren einlädt.
Aulanko, der Central Park von Finnland, ist im englischen Stil gehalten, wurde durch den schwedischen Colonel Hugo Standertskjöld bekannt und 1883 – 1910 gebaut.
Das Naturschutzgebiet Aulanko bietet einiges an Sehenswürdigkeiten, so z. B. den Näkötorni, einen 33 Meter hohen Granit-Aussichtsturm, der auch gleichzeitig als Wahrzeichen von Aulanko gilt.


Aussichtsturm Näkötorni


Von ihm aus hat man einen atemberaubenden Blick auf die Seenlandschaft von Hämeenlinna und Umgebung mit den Seen Vanajavesi und Aulangonjärvi.


Vanajavesi




Aulangonjärvi


auf dem Aussichtsturm


Weiterhin gibt es einen Schwanensee (Joutsenlampi), einen Waldsee (Metsälampi), Burgruinen und eine Bärenhöhle anzuschauen.

Der ganze Park ist in einer Art Runde angelegt, um die man herum fahren kann. So kommt man an allem Sehenswerten vorbei und kann sich in Ruhe ein Plätzchen zum Picknicken und relaxen aussuchen.




Aulanko

Wir hatten, wie schon die letzten zwei Wochen, super schönes Wetter mit Sonnenschein und über 30 °C und haben es uns dann einfach am Metsälampi gemütlich gemacht.


Waldsee Metsälampi


Dort haben wir mit großem Hunger unser mitgebrachtes Picknick, bestehend aus Baguette, Salat, Klöpschen, Tomaten, Obst, … verdrückt.

Als wir fast fertig waren, kam auf einmal ein Eichhörnchen aus dem Wald auf uns zu. Wir dachten erst, es schaut nur kurz und verschwindet dann aus Angst wieder. Aber weit gefehlt, es war ganz zutraulich und kam bis zu unserer Bank und lies sich mit Baguette (aus der Hand) füttern. Voll niedlich. :-)








Nach dieser ganzen Aufregung und dem vielen Essen, hieß es erst mal ein kleines Schäferstündchen halten.
Wir haben uns also an den See gelegt und die Sonne genossen.

Aulanko ist wirklich wunderschön zum entspannen, hier und da trifft man Gleichgesinnte, die picknicken, faul im Gras liegen oder Frisbee spielen, aber ansonsten totale Ruhe. Einfach unbeschreiblich schön.

Noch 27 Tage bis zum Heimflug.

Sonntag, Juli 10, 2005

Besuch im Wasserpark Serena in Espoo

Gestern waren wir mit Tobi und seiner Freundin Katja im Wasserpark Serena in Espoo.
Espoo grenzt direkt an Helsinki, wie Offenbach an Frankfurt/Main. Viele meinen, sie sei nur ein weiterer Stadtteil von Helsinki, wie Vantaa, aber weit gefehlt: Espoo ist die zweitgrößte Stadt Finnlands.

Da das Wetter seit Tagen unbeschreiblich sonnig und warm ist, schrie es geradezu danach, endlich mal wieder baden zu gehen.
In unserem Stadtführer Helsinki hatten wir von dem Freizeitbad in Espoo gelesen und beschlossen am Freitag spontan, am Samstag dort unser Lager aufzuschlagen.

Samstagmorgen sind wir also mit dem Zug nach Helsinki gefahren, um von dort mit dem Bus zum Serena zu kommen.
Leider mussten wir Ewigkeiten nach dem Bussteig suchen und als wir dann nach mehrmaligem Nachfragen den richtigen gefunden hatten, ist uns der Bus um zwei Minuten vor der Nase weggefahren.
Da der nächste erst 1,5 Std. später gefahren wäre und wir absolut keine Lust zum warten hatten, haben wir Tobi (der mit dem Auto in Finnland ist) gefragt, ob er uns nicht irgendwo einsammeln kann. Wir sind dann also mit dem Zug nach Leppävaara gefahren, dort wo Tobi wohnt.
Er hat sich dann noch schnell ein paar Spaghetti gekocht und wir hatten viel Spaß bei Orangensaft und kaltem Kaffee, seinen Mitbewohner Fabrizio kennen zu lernen.
Dann ging es mit dem Auto noch mal zurück nach Helsinki, um Tobis Freundin Katja abzuholen.
Und dann waren wir endlich auf den Weg nach Espoo zum Serena.

Der Wasserpark ist echt eine richtig schöne Anlage, mitten in der Pampa.
Innen befinden sich unzählige Rutschen, davon vier große Röhrenrutschen, Whirlpools, ein Wellenbad, ein Wildwasserstrudel u. v. m.



Innenbereich

Die Außenanlagen bestehen aus zwei großen Rutschen, bei der einen rutscht man zu zweit auf Wasserreifen herunter und bei der anderen auf Matten. Die Reifenrutsche ist dabei der Hit der ganzen Anlage. Zu zweit sitzt man in einem achtförmigem Reifen und fährt eine Art Wildwasserbahn hinunter – ein riesiger Spaß.




Reifenrutsche im Außenbereich

Die andere Rutsche mit den Matten ist der Horror schlechthin. Also in Deutschland würde die wohl verboten werden. Man rutscht auf der Matte, auf dem Bauch liegend, den Kopf voran einen sehr steilen Abhang hinunter. Unten angekommen ist nur eine kleine Vertiefung mit etwas Wasser gefüllt und auf der anderen Seite geht es wie bei einer Halfpipe wieder nach oben. Kurz bevor man unten im Wasser ankommt macht man einen derartigen Satz von der Matte und fliegt im hohen Bogen weiter. Als ich unten ankam musste ich mich erst mal wieder sammeln, die Wucht des Aufpralls ist mir so in den Kopf gestiegen und danach durfte ich feststellen, das mein Bikini nur noch zu einem verschwindend geringem Teil an den Stellen saß, wo er hingehört.

An sich war es aber ein sehr schöner Tag, später lagen wir in der Sonne, haben Eis gegessen und uns entspannt – und heute hab ich schrecklichen Muskelkater in den Armen. :-)

Nach dem Badbesuch waren wir in Helsinki noch einen Kaffee trinken.
Hach, war das schön, wie im Urlaub. So lässt sich der Tag genießen, kann das nicht immer so sein?

Noch 34 Tage bis zum Heimflug.

Dienstag, Juli 05, 2005

Das liebe Wetter

Jaja, ich weiß, ich hab dem Wetter eigentlich schon genug Einträge gewidmet (und werde es wohl auch weiterhin tun), aber ich bin immer wieder ums neue erstaunt, welche krassen Unterschiede zwischen Winter und Sommer liegen.

Ich kann es mir kaum noch vorstellen, aber als wir im Februar hier ankamen hatten wir Schnee und -20°C und jetzt haben wir Juli und hatten heute +32°C. Das ist ein Temperaturunterschied von über 50 Grad!
Finnland war für mich früher immer ein Land in dem es nur Schnee, Schnee und nochmals Schnee gibt. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass es hier sogar weiße Sandstrände und Temperaturen wie in Deutschland gibt…
Tja, so kann man sich täuschen.
Aber es ist schön, dass es so warm ist – das ist der Sommer. Ich nehme gerne mehr davon.

Und heute habe ich endlich mal das gemacht, was ich schon lange nicht mehr getan und schon seit Ewigkeiten mal wieder tun wollte:
Ich hab einen richtig schönen Wiesenblumenstrauß gepflückt.
:-)





Noch 39 Tage bis zum Heimflug.

Sonntag, Juli 03, 2005

Sydän Rakastaa

Mitte Juni hatte ich euch doch von meinem Kennenlernen der Schauspieler vom Sommertheater (Kesäteatteri) hier in Riihimäki berichtet. Und heute war es soweit, heute war die große Premiere ihres Stückes Sydän Rakastaa.

Da ich vom Star des Stückes, Anita Hirvonen, eine persönliche Einladung hatte, hab ich mich also heute auf einen ereignisreichen Nachmittag mit einem Ausflug in die Welt des finnischen Theaters eingelassen.

Das Sommertheater befindet sich gleich neben der Galleria Allinna, auf einer kleinen Lichtung, welche von Bäumen umgeben ist.
Die Kulisse war zweistöckig angelegt, im Untergeschoss befand sich auf der linken Seite das Restaurant, rechts saß die Band. Das Obergeschoss war als eine Art Wohn- und Ankleidezimmer in einem, mit Schminktisch und Garderobe auf der einen und Couch und Tisch auf der anderen Seite hergerichtet.

Die Kulisse hat mich irgendwie sehr an unsere vom AV-Studio zur unserer Show Roomate Wanted erinnert – es sah auch sehr nach viel Selbstgebasteltem und Jeder-bringt-mit-was-er-zu-Hause-hat aus. Auf alle Fälle ziemlich schräg und bunt, aber wirklich nicht ungemütlich sondern eben typisch Theater.

Wegen meiner schlechten Finnischkenntnisse :-( hab ich zwar so gut wie nichts verstanden, aber die Atmosphäre war echt toll, es hat einfach gestimmt, was die Schauspieler auf der Bühne geboten haben. Und da das ganze als eine Art Musical ausgelegt war (natürlich auch mit finnischen Liedern) war unheimlich viel Leben in der ganzen Szenerie und ich denke im Großen und Ganzen habe ich auch verstanden um was es ging:

Ein junges Liebespaar; auf der einen Seite eine junge Frau, die von ihrem Freund schwanger ist und deren Eltern sich immer nur in den Haaren haben. Auf der anderen Seite der junge Mann, dessen Eltern sich ebenfalls ständig zoffen und obendrein eine Bar/Restaurant für Lesben und Schwule unterhalten.
Bei Seiten versuchen nun ihren Eltern zu erklären, dass sie verliebt sind und eine Familie gründen wollen. Nun geht es daran, die Eltern miteinander bekannt zu machen und einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen, damit beide der Verbindung der Liebenden zustimmen.
Möglichst guten Eindruck: das heißt, die Homobar muss in ein ehrbares Restaurant umgewandelt werden, der schwule Barmann muss sich hetero benehmen und die Streitereien zwischen den Ehepaaren muss aufhören…

Das ganze ist mit ziemlich viel Musik, Gesang und Tanz unterlegt. Das ist wohl auch der Hauptgrund für die Lebendigkeit des Stückes, damit wird es aufgelockert und der Witz, der hinter der ganzen Sache steckt kommt voll zum Tragen.

Es war wirklich eine interessante Erfahrung und ich habe umso mehr Lust bekommen, endlich mal wieder selbst auf der Bühne zu stehen und in die Rolle einer Anderen zu schlüpfen.

Noch 41 Tage bis zum Heimflug.

Samstag, Juli 02, 2005

Lahti

Seit Donnerstag sind Evas Eltern zu Besuch in Riihimäki.
Gestern haben sind wir gemeinsam zur Sightseeingtour nach Tampere aufgebrochen und heute ist Familie Meier nach Helsinki gefahren.

Da ich das schöne Wetter ausnutzen und nicht den ganzen Tag (alleine) in der Bude hocken wollte, habe ich einfach spontan entschieden, mir Lahti mal genauer anzuschauen.
Eva und ich sind letztes Wochenende auf unserem Weg zum Campingplatz schon einmal durch Lahti gekommen und haben dabei festgestellt, dass die Stadt doch einiges zu bieten und daher einen erneuten Besuch verdient hat.

Gesagt, getan, also bin ich gegen 12:00 Uhr in den Zug gestiegen und fand mich eine dreiviertel Stunde später in Lahti wieder.

Lahti ist die siebentgrößte Stadt Finnlands und liegt ca. eine Autostunde (100 km) nördlich von Helsinki.
Vor allem durch den Skisport ist Lahti eine bedeutende Stadt in Finnland - dort fanden bereits sechs Mal die nordischen Skiweltmeisterschaften statt
à 1926, 1938, 1958, 1978, 1989 und 2001.

Das Sportzentrum (Urheilukeskus) besteht aus drei Sprungschanzen (116m, 90m und 64m), einem Skistadion, einer Messehalle, Eissporthalle, Sportplatz für Leichtathletik und Biathlon sowie Langlaufloipen im Winter und Wander- und Mountainbikewegen im Sommer.
Das Besondere: In den Sommermonaten verwandelt sich der Auslauf der Großschanze in ein Open-Air Swimming Pool.

Lathi liegt direkt am See Vesijärvi. Der Hafen wurde auf den Namen Lebensraum von Lahti getauft, denn er ist der Blickpunkt für viele verschiedene Events. Er ist Finnlands größter Innlandhafen mit drei aufeinander folgenden Häfen: Teivas, Vesijärvi und Niemi.



der Hafen

Aber die Stadt hat noch einiges mehr zu bieten:

- die Kreuzkirche (Ristinkirkko), designed vom Architekten Alvar Aalto

- der Marktplatz (Kauppatori), vor allem im Sommer ein sehr belebter Platz

- die Sibeliushalle (Sibeliustalo), sie dient als Kongresszentrum und ist gleichzeitig das größte finnische Holzgebäude, das in den letzten 100 Jahren gebaut wurde

- die im Kariniemi Park (nahe des Hafens) gelegene Wasserorgel, der größte skandinavische Springbrunnen

- die Stadthalle (Kaupungintalo), vom Architekten Eliel Saarinen designed

Mehr Infos zu Lahti gibts hier

Nachdem ich alle Sehenswürdigkeiten abgeklappert und mir wieder mal Blasen in meinen Sandalen gerieben hatte, saß ich gemütlich mit Buch in der einen, eisgekühlten Cidre in der anderen Hand, Sonnenbrille auf der Nase, Sonnenschein und blauen Himmel über mir, mit Blick aufs Wasser am Hafen und genoss die, sage und schreibe, 28°C des heutigen Tages.
So kann man sich das gefallen lassen, so lässt es sich leben.

Sorry, Bilder von meinem Ausflug kann ich euch leider nicht bieten, weil ich die mit meiner analogen Kamera gemacht habe. Da müsst ihr euch noch etwas gedulden.

Noch 42 Tage bis zum Heimflug.