Mittsommer, Sommersonnenwende oder auch Juhannus
Endlich war es soweit, endlich lag das vor uns, worauf ich mich schon die ganze Zeit freue und warte, seitdem wir in Finnland sind: Mittsommer.
Ja, eigentlich ist die Sommersonnenwende genau zum Sommeranfang, nämlich am 21.06. Doch die Feierlichkeiten werden immer auf das Wochenende, welches dem 21.06. am nächsten liegt, gelegt.
Übrigens: den Finnen ist ihr Juhannus, so wie Mittsommer in Finnland richtig heißt, über alles heilig. Ich glaube in Deutschland gibt es nicht einen solchen Ausnahmetag wie hier. Denn zu Juhannus haben alle Geschäfte geschlossen und jegliche Art von Verkehrsmitteln, sei es Zug oder Bus, fahren das gesamte Wochenende nicht.
Aber nicht alleine in Finnland wird Mittsommer so groß gefeiert – alle nordischen Länder haben eine besondere Beziehung zu diesem Tag, er ist meist wichtiger als Weihnachten oder Ostern und hauptsächlich geht es dabei um Gesundheitszauber und Reinigungsrituale.
Man könnte meinen so ein Wochenende lädt zu riesigen Festivals und Partys in die großen Städte des Landes ein. Doch hauptsächlich wird Juhannus in der Familie, im kleinen Kreis unter engen Freunden und Verwandten, auf dem Mökki, direkt am See gefeiert.
Dort wird dann gegrillt, gefischt, sauniert, getrunken und ein Feuer angezündet.
Klar haben sich auch einige große Festivals etabliert, so z. B. in Rauma (Westküste Finnlands) das RMJ vom 23.-26.06., aber eigentlich sind die Städte in dieser Zeit leergefegt und alles zieht aufs Land.
Eva und ich wollten weder auf ein riesiges Festival noch hatte sich jemand erbarmt uns auf sein Mökki einzuladen.
Wir wollten gerne etwas ruhiges, nettes, kleines, mit einem Feuer, am Wasser und mit ein paar netten Leuten…
Und wir haben es gefunden und ich muss sagen, es war ungefähr das, was ich mir von Mitsommer erwartet habe.
Von Lasse haben wir den Tipp bekommen, wir sollen doch in die Nähe von Lahti auf den Campingplatz Messilä gehen.
Nach genauer Inspektion der Webseiten und einem Anruf, ob denn noch Platz für uns ist, sind wir also am Freitagmittag losgezogen.
Lasse hat uns dann in Lappila, wo er wohnt, noch sein Zelt an den Zug gebracht, damit wir überhaupt zelten konnten.
Mit dem Aufbau dieses haben wir uns dann auf dem Zeltplatz ganz schön abgequält. Anscheinend stammt das Zelt noch aus Vorkriegszeiten, der komischen Konstruktion, alten Heringe und keiner wasserdichten Überplane zu urteilen.
Naja, irgendwie haben wir es hinbekommen.
Nun war erst mal Faulenzen angesagt: vor uns der See, die Volleyballplätze, die Sonne über uns und der aufgestapelte Scheiterhaufen für das Juhannus-Feier...
Um elf Uhr abends wurde dann das Feuer entzündet. Es ist unglaublich, wie schnell so ein ganzer Haufen lichterloh brennt und wie schön warm es doch ist. Der ganze Campingplatz hatte sich am Feuer versammelt um dem Spektakel beizuwohnen.
Später ging es auf zum Tanz in die Scheune.
Danach saßen wir noch bis nach Sonnenaufgang am Feuer, bis uns die Mücken, die Kälte und die überkommende Müdigkeit ins Zelt trieb.
Den ganzen Tag über haben wir unheimlich viele nette Leute kennen gelernt:
Angefangen von unserem Zeltnachbarn Timo, der uns beiden am Abend einfach so einen Drink ausgegeben hat. Wahrscheinlich sahen wir da so ganz alleine und verlassen vor unserem Zelt sitzend etwas verloren aus.
Weiter bei Marco, der eigentlich nur ein Bild von Eva und mir vor dem Sonnenuntergang machen sollte und uns dann erzählt: ‚das ist meine Frau, meine Kinder, mein Hund und mein Boot…’
Später in der Tanzscheune haben wir ein Mädel kennen gelernt, die am Montag für ein halbes Jahr nach Deutschland geht, in die Nähe von Freiburg (so ein Zufall aber auch).
Und weil man vor (betrunkenen) Finnen ja eigentlich nie sicher ist, hat uns in der Tanzscheune auch ein paar angesprochen, mit denen wir später die Frage, welche Sprache nun schwieriger ist, Finnisch oder Deutsch, am Feuer auszudiskutieren versuchten.
Wo der Freitag noch von Sonnenschein erfüllt war, war am Samstag nicht mehr viel zu spüren. Regen, Regen, Regen!
Und das den ganzen Tag. Zwischenzeitlich haben wir überlegt, ob wir unser Lager abbrechen sollen, weil es überall ins Zelt reinregnete und wir fast schon davon geschwommen sind.
Abends klarte es dann doch wieder auf und wir begaben uns zum Aufwärmen in die Sauna.
Sonntag ist recht schnell erzählt, nach dem Frühstück hieß es Sachen packen und auf einen Bus hoffen, der uns zurück in die Stadt bringt.
Nach über einer Stunde warten und ohne das auch nur ein Bus in unsere Nähe kam, war Timo so freundlich (er und seine Familie waren auch am packen) uns mit in die Stadt zu nehmen. Das bestätigt doch mal wieder die These, dass Finnen ein unheimlich freundliches und hilfsbereites Völkchen sind.
Und, manchmal muss man auch ein bisschen Glück haben.
Noch 47 Tage bis zum Heimflug.

















































